MRSA - der Supergau der Wunderwaffe „Antibiotika“ im Kampf gegen die moderne Pest

Antibiotika  - inflationär eingesetzt – versagen zunehmend in ihrer Wirkung

 

Das Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) ist ein kugelförmiges Bakterium, das gegen Methicillin und andere Antibiotika resistent ist. Daher wird es auch als „multi-resistentes Staphylococcus aureus“ bezeichnet. http://de.wikipedia.org/wiki/Staphylococcus_aureus

Es kommt vorrangig in Krankenhäusern, Altenheimen, Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen vor und zählt daher zu den Krankenhausinfektionen – den sogenannten nosokomialen Infektionen. MRSA-Infektionen, die außerhalb von Gesundheitseinrichtungen auftreten, nennt man „Community-acquired methicillin-resistant Staphylococcus aureus (cMRSA)“.

Als Ursache gelten fehlende - oder inkonsequent umgesetzte prophylaktische Hygienemaßnahmen. MRSA-Bakterien bleiben auf der Haut dauerhaft und auf Kitteln, Geräten, Instrumenten und ähnlichen Oberflächen mehrere Monate lang infektiös.


Wird eine Waffe zu häufig eingesetzt, verliert sie ihre Wirkung

Neben den gesundheitspolitischen Problemen – wie unzureichenden Hygienevorgaben und deren Einhaltung – bilden die Keime gegen die lange Zeit als Wunderwaffe eingesetzten Antibiotika Resistenzen aus. Die Resistenzbildung basiert auf dem Prinzip der Evolution: Wenige Bakterien überleben eine Antibiotikabehandlung und bilden dabei eine Resistenz aus.

Symptome einer MRSA-Infektion sind vielschichtig: von Furunkel über schwere Wundinfektionen, Pneumonien bis hin zu Sepsisfällen (Blutvergiftungen) und Lungenentzündungen. In den USA, Japan und Großbritannien kam es aufgrund von MRSA-Infektionen schon zu Amputationen.


USA: Mehr Tote durch MRSA als durch AIDS
 
Die gesundheitspolitischen und gesellschaftlichen Folgen dieser zunehmenden Bedrohung sind enorm. In den USA wurden im Jahr 2005 bereits 94 000 Menschen infiziert, wovon 18 650 starben [1]. Damit weist das MRSA in den USA eine höhere Mortalitätsrate auf als die Immunschwächekrankheit AIDS: 16 000 Todesfälle [2].

In Deutschland geht man von 40.000 bis 50.000 Patienten aus. Da das MRSA in vielen Kliniken nicht ernst genommen – oder darüber geschwiegen wird – existieren kaum statistische Zahlen. Demnach rechnet man in Deutschland mit 700 bis 1.500 und europaweit etwa mit 50.000 Todesopfern [3].

Die vermuteten Zahlen liegen um das bis zu Zehnfache höher, da MRSA nicht als Todesursache in den Totenschein eingetragen werden muss.

Abhängig von der Region schwanken die Zahlen enorm. Je höher die Hygienestandards in den Kliniken sind desto geringer die MRSA-Infektionen. Zu den vorbildlichen Kliniken zählen niederländische Einrichtungen. Dort sind nur etwa ein Prozent der Staphylococcus aureus gegen Antibiotika resistent.

Quellennachweise:
[1] Klevens et al.: Invasive Methicillin-Resistant Staphylococcus aureus Infections in the United States. JAMA 298/15/2007. S. 1763. Online-PDF

[2] medicine.net: http://www.medicinenet.com/script/main/art.asp?articlekey=84575

[3] Woltering, R.; Hoffmann, G.; Daniels-Haardt, I.; Gastmeier, P.; Chaberny, I. F.; MRSA-Prävalenz in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen eines Landkreises. Dtsch. Med. Wochenschr. 2008;133(19):999-1003